http://www.trend.infopartisan.net/trd0305/t220305.html Kein Kriminalroman

Kein Kriminalroman
Ein (später) Leserbrief

von Max
Mueller
03/05

trend
onlinezeitung

Vorbemerkung

Am 13.Oktober 2003 schrieb Max Müller für den TREND einen ausführlichen Leserbrief, der eine Kritik an dem Artikel von Gudrun Eussner "Kriminalschriftsteller Gilles Dauvé - Linksradikaler, Negationist, Anarchist, Situationist" beinhaltete. Auf diese Kritik hatte Max Müller sehr viel Mühe verwandt. Doch sein Leserbrief wurde im TREND nie veröffentlicht, wie mir der Autor, den ich am 27.2.2005 zufällig auf einer Veranstaltung traf, mitteilte.  Auf meine Bitte hin erhielt ich heute den Leserbrief erneut zugestellt.

Meine diesbezügliche Recherchen haben ergeben, dass es damals politische Gründe gegeben hat, diesen Leserbrief zu unterdrücken. Von jenen Personen, die heute dafür verantwortlich gemacht werden könnten, haben wir uns genau vor einem Jahr unwiderruflich getrennt.

Als Herausgeber entschuldigen wir uns und haben aus Gründen der politischen Glaubwürdigkeit die späte Veröffentlichung dieses Leserbrief nun hiermit veranlasst.

28.2.2005

Karl-Heinz Schubert


 

Liebe trend-Redaktion,

ich möchte Euch bitten, diese E-Mail als Leserbrief in Eurer
Zeitschrift zu veröffentlichen und mir und Euren LeserInnen die
Frage zu beantworten, warum Ihr den Artikel
http://www.trend.infopartisan.net/trd0903/t180903.html

   > Kriminalschriftsteller Gilles Dauvé
   > Linksradikaler, Negationist, Anarchist, Situationist
   >
   > von Gudrun Eussner

unkommentiert im trend 09/2003 veröffentlicht habt. 

Ich stelle Euch diese Frage, weil ich sie mir nach Lektüre des
Artikels gestellt habe und nicht beantworten konnte. 
Welchen Effekt könnte die Redaktion wohl damit bewirken wollen?
Welche Wirkung soll der Artikel auf die LeserInnen ausüben?
Welche Eigenschaften/Vorkenntnisse erwartet die Redaktion von
Ihren LeserInnen?  Liest die Redaktion Artikel, die Ihr zur
Veröffentlichung geschickt werden?  Was will mir dieser Artikel
sagen?

Um Euch zu veranschaulichen, welche Ratlosigkeit dieser Artikel bei
mir auslöste schicke ich Euch dieses Lektüreprotokoll. 

   [Tatsächlich habe ich erst diesen Vorspann und dann das
   Lektüreprotokoll geschrieben, die ganze E-Mail also im
   Wesentlichen in einem Rutsch von oben nach unten.  Im
   Gegensatz bzw. in Erweiterung meiner Absicht Euch meine
   Ratlosigkeit beim lesen des Artikels vorzuführen, führe
   ich Euch zusätzlich vor, wie zunehmen wütend ich wurde,
   während ich mich so genau durch den Artikel durchgebissen
   habe.  Warum veröffentlicht Ihr einen Artikel, der *nur*
   denunziert?]

                                                         Ich habe
vorher keinen der in diesem Artikel genannten Texte oder andere
Texte der im Artikel genannten Autoren gelesen (insbesondere
nicht von Dauvé, bilde mir aber trotzdem ein, nicht sehr viel
blöder als der/die durchschnittliche trend-LeserIn zu sein.

Angenommen, Ihr veröffentlicht Artikel nicht nur für Leute, die
bereits vor Lektüre desselben über den Gegenstand und das, was Ihr
als Redaktion und der/die AutorIn aussagen wollt, informiert sind,
kann mein Lektüreprotokoll als das eines idealen Versuchskaninchens
zur Beantwortung der Frage gelten, was die Lektüre eines (dieses)
trend-Artikels bei einem Leser bewirken kann.

Wir schreiben uns; MM


Lektüreprotokoll:
=================

   > Kriminalschriftsteller Gilles Dauvé
   > Linksradikaler, Negationist, Anarchist, Situationist

Aha.  Es geht also um einen Krimiautoren.  Ein Negationist, so
sagt mir eine kleine Recherche ist einer, der den Holocaust
leugnet.

   > von Gudrun Eussner

Das ist eine Autorin, das steht am Ende des Artikels, die schon
einige Artikel bei Euch veröffentlicht hat.  Einige dieser Artikel
drehen sich um Personen, die eine "Querfrontstrategie" verfolgen
sollen, indem sie rechte Thesen in linken Kreisen hoffähig machen.

   > Gilles Dauvé ist der Sohn von Guy Dauvé. Dieser ist seit 1943
   > unter dem Vichy-Regime Kommissar der Renseignements Généraux
   > (RG), des französischen Staatsschutzes. In der Funktion des
   > Kommissars bleibt er für seinen Chef Maurice Papon,
   > Innenminister unter Staatspräsident Philippe Pétain,
   > Polizeipräfekt und Budgetminister unter den Staatspräsidenten
   > Charles de Gaulle und Valérie Giscard d'Estaing, ununterbrochen
   > in der Überwachung der extrem linken Bewegungen tätig. Seine
   > letzte, die Karriere krönende Amtshandlung ist ab Oktober 1980
   > die systematische Zerstörung durch Verleumdungen, Gerüchte und
   > Bedrohungen bis hin zu Morddrohungen der
   > Präsidentschaftskandidatur des unabhängigen Linken Michel
   > Colucci, bekannter unter seinem Clownsnamen Coluche.

Hier erfahre ich etwas über den Papa der Person, um den sich der
Artikel dreht.  Der war ein Schwein.  Im Rest des Artikels spielt
der Papa freilich keine Rolle mehr.  Es geht in diesem Absatz und
dem Rest des Artikels auch nicht um das Verhältnis des Sohnes zu
seinem Vater.  Vielleicht hält es die Autorin für eine
bemerkenswerte Ironie, dass der Sohn eines Kommissars Krimis
schreibt.  Vielleicht denkt die Redaktion, dass das eine
bemerkenswerte Ironie ist.  Ansonsten ist der einzige Bezug des
Vaters zum Sohn eben der: Ein genetischer Zusammenhang.
Vielleicht soll der als vielsagend bemerkt werden.  Das täte für
eine linke Zeitschrift zwar überraschen, aber andererseits gibt
es ja viele Linke, die rechte Thesen hoffähig machen.  Was die
Autorin mit diesem Absatz ausdrücken will bleibt im Dunkeln;
warum die Redaktion der Autorin keine redaktionelle Streichung
des Absatzes empfohlen hat, ebenso.

   > Als er sich Ende der 60er Jahre zu den extrem Linken gesellt,
   > nutzt der Sohn des Kommissars, Gilles Dauvé, das Pseudonym Jean
   > Barrot. Seit 1967 frequentiert er die zu der Zeit noch nicht
   > negationistische anarchistische Buchhandlung La Vieille Taupe
   > (Der Alte Maulwurf).

Spätestens jetzt beginnt das Spiel mit den Namen. Eine"
negationistische anarchistische" Buchhandlung zu frequentieren ist
ja nicht ehrenrührig, zumindest unter Linken, zumindest solange sie
nicht explizit stalinistisch drauf sind oder gerade den Trotzki
verteidigen, der die Kronstäter Matrosen oder die Manow-Bewegung
niederschlagen ließ.  Später im Artikel wird die Buchhandlung keine
Rolle mehr spielen, aber ein gleichnamiger, aus ihr hervorgegangener
Verlag und seine Zeitschrift.  Später im Artikel lerne ich, dass
sich diese Zeitschrift dem Negationismus und Revisionismus widmet und
sich ihr ein Negationist (Robert Faurisson) anschließt [wie auch
immer man sich einer Zeitschrift anschließt: vielleicht als Autor,
als Redakteur, als Herausgeber, als lohnabhängiger Botenjunge, als
Abonennt oder Verkäufer..., ich weiß es nicht, denn die Autorin
verrät es mir nicht], der andernorts (Le Monde) negationistische
Thesen vertritt. 
Der Zusammenhang zwischen Faurisson und unserem Krimiautoren Dauvé ist
der: Dauvé "trifft" Faurisson und später verteidigt Dauvé zusammen mit
unbekannten anderen Faurisson.  In welcher Sache wird im Verlauf des
Artikels nicht expliziert werden, aber ich dürfen ahnen, dass er ihn
in Sachen Negationismus verteidigt.  Ich erfahre freilich nicht wie.
Ach ja, außerdem frequentierte Dauvé einen ideologisch unverdächtigen
Buchladen, nach dem später ein Verlag und eine Zeitschrift benannt
wurden.  Das ist so wichtig, dass es bemerkt werden muss.  Ausserdem
werde ich später als weiteren Zusammenhang erfahren, dass sich Dauvé
zusammen mit einem weiteren Krimiautoren (Serge Quadruppani) von einer
weiteren Zeitschrift (Guerre Sociale) distanziert, "angeblich" weil
der Herausgeber von Guerre Soziale den Inhaber des Verlages, der nach
der ideologisch unverfänglichen Buchhandlung benannt ist, die unser
Krimiautor frequentierte, und dessen Verlag und seine Zeitschrift
unterstützt.
Warum uns die Autorin dies zur Kenntnis bringt, wo's doch nur
"angeblich" so ist, bleibt offen.  Es bleibt auch offen, warum es
nur "angeblich"ist.  Das scheint eine Wertung der Autorin zu
sein, die aber nicht begründet wird.

Ihr merkt: Ich greife vor, bzw. habe nach der Lektüre noch mal
nachgelesen.  Deswegen weiß ich auch schon, dass die Zeitschrift
Guerre Sociale im Artikel zunächst als eine eingeführt wird,
Dauvé mitarbeitet.  Im selben Satz, in dem uns dieser
Zusammenhang mitgeteilt wird (D arbeitet in GS) werde ich auch
informiert, dass in Guerre Sociale 1979 ein Text erscheint, der
Negationismus verbreitet.  Die Stelle, an der sich Dauvé von
Guerre Soziale distanziert erscheint im Artikel aber erst weiter
unten, nachdem es um Ereignise im Jahre 1978 gegangen ist.  So
weiß der aufmerksame Leser (ich) am Ende nicht, ob der
inkriminierte Artikel in Guerre Sociale erschienen ist, nachdem
sich Dauvé von dieser Zeitschrift distanziert hat.  Oder was er
dort gemacht hat, bevor er sich distanzierte.


   >                       1970 stößt er auf Veröffentlichungen der
   > Urväter aller Negationisten, des Amadeo Bordiga, eines
   > ehemaligen Funktionärs der kommunistischen Partei Italiens
   > (PCI), schon in den 20er Jahren seiner Nähe zum
   > Nationalbolschewismus wegen aus der Partei ausgeschlossen, und
   > des Paul Rassinier, eines ehemaligen Kommunisten, dann
   > Sozialisten sowie für kurze Zeit Widerstandskämpfers und
   > Deportierten, der sich nach dem Krieg in wüstestem
   > Antisemitismus ergeht, seine Biographie fälscht und seine
   > Freunde unter extremen Rechten und Alt-Nazis wählt. Er schreibt
   > Bücher, in denen er nach und nach den Genozid an den Juden
   > leugnet.

Hier fallen zwei Name: Bordiga und Rassinier.  Dauvé stößt auf
deren Veröffentlichungen.  Vielleicht hat er sich dabei weh getan.
Warum es wichtig ist, dass er auf deren Veröffentlichungen stieß
wird im nächsten Absatz für Bordiga deutlich.  Dauvé gibt eine von
Bordiga inspirierte Schmähschrift heraus.  Von Rassinier, über den
uns die Autorin verabschäungswürdige Details seiner Biographie
mitteilt, ist im Artikel nie wieder die Rede.  Keine Ahnung,
warum es wichtig war, zu erwähnen, dass sich Dauvé an ihm stieß
-- auch nein, auf seine Veröffentlichungen stieß.  Vielleicht
wollte die Autorin einfach vollständig sein und die Botschafft
ist: Dauvé ist ein unbelesener Krimiautor, der in seinem Leben
auf die Veröffentlichung von zwei Autoren stieß.


   > Die exemplarische Reise eines linken Negationisten
   >
   > Unter seinem Pseudonym Jean Barrot gibt Gilles Dauvé in der
   > Zeitschrift Le Mouvement Communiste (die kommunistische
   > Bewegung) 1973 eine Schmähschrift mit dem Titel "Auschwitz ou
   > le grand alibi" (Auschwitz oder das große Alibi) heraus. Darin
   > erklärt er, die Nazis hätten die Juden nicht als Juden, sondern
   > als Arbeiter vernichten wollen. Der von Amadeo Bordiga
   > inspirierte Text erscheint erstmalig 1960 in der Zeitschrift
   > Programme Communiste, dem theoretischen Organ des Parti
   > Communiste International (Internationale kommunistische
   > Partei). Dort heißt es in einer äußerst eigenwilligen
   > Interpretation der Realität:

Dass Dauvé "[a]ls er sich Ende der 60er Jahre zu den extrem
Linken gesellt, [...Kommissarssohn...], das Pseudonym Jean
Barrot" benutzt weiß ich nun  schon.  Warum uns das noch mal gesagt
wird ist unklar, denn eine weitere Bedeutung hat das nicht, im
Artikel.  Die etwas verschlungene Darstellung (D gibt 1973 einen
Text heraus, der 1960 zum ersten mal veröffentlicht wurde) dient
wohl nur dazu, einzuführen, dass Dauvé ein Pseudonym benutzte.
Ob das auch schon 1960 der Fall war bleibt unklar.  Warum
schreibt die Autorin nicht einfach von einem Text von 1960?  Die
Detailhuberei mit den weiteren Nachdruckterminen und dem
Pseudonym sieht zwar schön gründlich recherchiert aus, bringt
aber keine Argumentation für nix voran.
(Apropos Argumentation:  Worum geht es in dem Artikel
eigentlich?) 
Aber halt.  Der Artikel erschien 1960, Dauvé stößt aber erst 1970
auf Veröffentlichungen von Bordiga, der den Text von 1960
inspiriert hat.  --> Der Text wurde nicht von Dauvé geschrieben,
oder nicht von Bordiga inspiriert oder der Artikel von der
Autorin schlecht recherchiert und von der Redaktion nicht
redigiert.  Warum muss ich mir diesen Jahreszahlensalat überhaupt
durchlesen, wenn er eh'zu unwichtig ist, um die Beachtung der
Autorin und der Redaktion zu finden?  Was trägt der überhaupt zur
Argumentation bei? (AA:WgeidAe?)


   > "Alle unsere guten antifachistischen Demokraten haben sich
   > gleichzeitig auf die Leichen der Juden gestürzt. Und von dieser
   > Zeit an halten sie sie unter die Nase des Proletariats. Damit
   > es die Schande des Kapitalismus versteht?  Nein, im Gegenteil:
   > damit es im Kontrast die echte Demokratie, den echten
   > Fortschritt ... der kapitalistischen Gesellschaft genießt und
   > würdigt."

Das ist zunächst mal ein funktionalistisches Argument.  Aber das
ist in der politischen Debatte nicht verboten, es ist freilich
extrem schwer die Grenze zwischen vernüftigen und
verschwörungstheoretischen Funktionalismen allgemein zu
bestimmen.  Gut war z. B., dass sich während des Kosovokriegs
Ex-KZ-Häftlinge dagegen wehrten, dass die rot-grüne Regierung
ausgerechnet Ausschwitz zur Begründung ihres Krieges bemühte.
Sie nannten das treffend eine zweite Ausschwitzlüge.
 
   > Der Text gibt insgesamt weder den Nazis noch den Antifaschisten
   > recht. Der Nationalsozialismus sei der schrecklichste Ausdruck des
   > Kapitalismus, aber der Kapitalismus würde diese Wahrheit verstecken
   > und nur zeigen, wie schrecklich der Nationalsozialismus war, damit
   > die Leute nicht sehen, wie schrecklich er selbst ist. Immer wenn er
   > in Gefahr sei, bediene sich der Kapitalismus des Antifaschismus.
   >
   > In dem Text werden einmal mehr die Täter, die sich angeblich auf den
   > "Mittelstand" beschränken, zu Opfern stilisiert, die gewissermaßen
   > zur Rettung der Art aus natürlichem Überlebenswillen einen Teil
   > ihrer selbst, die Juden, vernichten mußten:
   >
   > "Unter dem ungeheuren wirtschaftlichen Druck, angesichts der
   > Vernichtungsgefahr, die das Leben aller seiner Mitglieder
   > unsicher machte aber noch allgemein und diffus war, hat der
   > Mittelstand einen seiner Teile in der Hoffnung geopfert, so das
   > Leben der anderen zu retten und zu sichern. Der Antisemitismus
   > rührt ebensowenig von einem "machiavellischen Plan" wie von
   > einer "inneren Pervertiertheit" her. Er ist eine direkte
   > Konsequenz des wirtschaftlichen Zwangs. Statt die erste Ursache
   > der Ausrottung der Juden zu sein, ist der Judenhass nur der
   > Ausdruck des Wunsches, die Vernichtung auf sie zu konzentrieren
   > und zu beschränken."
   >
   > Dieser Text begründet den Negationismus der französischen
   > extremen Linken.

["erste Ursache" im Artikel fett hervorgehoben]

Der empirische Sachverhalt des weitgehend gelungenen Versuchs der
Ausrottung der Juden durch die Nazis wird in dem angeführten
Zitat nicht geleugnet.  Er wird auch in seiner Tragweite oder
politischen oder moralischen Bedeutung nicht verharmlost.  Wieso
(der Versuch) theoretisch zwingende Gründe für das Verhalten und
Handeln derjenigen zu finden, die sich an der Vernichtung der
Juden beteiligten, diese (Nazis) zu Opfern macht bleibt das
Geheimnis der Autorin (und der Redaktion, die doch sicher gründe
gehabt hat, diesen Artikel zu veröffentlichen).

Welchen Sinn ergibt es hier von Negationismus zu sprechen?
"Negationistisch" halte ich -- ich bin im Umgang mit dem Wort
nicht sehr erfahren -- für einen Begriff mit dem S darauf hinweist,
dass K etwas "negiert", leugnet oder abstreitet.  Diese
Verwendung ließe logisch auch auf theoretische Konstrukte
beziehen, nämlich dann, wenn K die theoretische Triftigkeit eines
von S behaupteten Zusammenhanges bestreitet.  Ich halte es aber
nicht für politisch wünschenswert, dass "wir" bestimmte
theoretisch konstruierte Zusammenhänge als behördlich genehmigte
und allseits zu befolgende Weltanschauung ausgeben.  Ich will
auch der Redaktion nicht solches unterstellen, denn sie hat sich
in der Vergangenheit mehrfach erfreulich klar gegen Zensur
positioniert.  Aber hat sie den Artikel gelesen?

Den Antisemitismus als direkte Konsequenz des wirtschaftlichen
Zwangs darzustellen würde ich "ökonomistisch" nennen.  Das ist ein
Begriff, dessen eine Bedeutung den Vorzug hat, einen
Gegenstand auf der Ebene der Begriffe oder der Theorie zu
bezeichnen.  Dieser Gegenstand G ist die aus der theoretischen
Position des/der Sprechenden S als falsch beurteilte Beziehung B
in der theoretischen Konstruktion tK der/des Kritisierten K
zwischen einem empirisch vorfindlichen Phänomen ePh und [einem]
ökonomischen Sachverhalt[en] (empirische[en] oder wie in diesem Fall
von K in tK theoretisch konstruierten). 

Die in dem Zitat transportierte Annahme Täter und Opfer der
Judenvernichtung kämen in erster Linie aus dem Mittelstand ist
empirisch nicht haltbar und wäre einer ideologiekritischen
Befragung wert.  Ob der zitierte Text diese Annahme tatsächlich
vertritt bleibt nach Lektüre des Artikels aber unklar, denn etwas
weiter oben hatte die Autorin die Position denselben Textes so
zusammen gefasst: "[...]  die Nazis hätten die Juden nicht als
Juden, sondern als Arbeiter vernichten wollen."  Mittelstand oder
Arbeiter?  Der Artikel widerspricht sich selbst und ich bleibe
ratlos zurück.


   > Gilles Dauvé arbeitet auch bei der linksextremen Zeitschrift
   > Guerre Sociale (Sozialer Krieg) mit, die 1979 mit dem Text "De
   > l'exploitation dans les camps à l'exploitation des camps" (Von
   > der Ausbeutung in den Lagern bis zur Ausbeutung der Lager) den
   > Negationismus in die Kreise der Anarchisten und Linksextremen
   > verbreitet.
   >
   > Er trifft den Negationisten Robert Faurisson, der 1978 in der
   > Abendzeitung Le Monde eine Diskussion zum Thema "La rumeur
   > d'Auschwitz" (Das Gerücht über Auschwitz) eröffnet. Dort werden
   > die negationistischen Thesen einer breiten Öffentlichkeit
   > vorgestellt. Der Negationist Robert Faurisson schließt sich der
   > inzwischen von Pierre Guillaume als Verlag geführten Vieille
   > Taupe und seiner gleichnamigen Revue an. Der aus dem
   > Linksextremismus und Anarchismus hervorgegangene Verlag widmet
   > sich ausdrücklich dem Revisionismus und dem Negationismus.
   >
   > Im Dezember 1978 ist Gilles Dauvé einer der Mitautoren des
   > Verteidigungsbriefes für Robert Faurisson in der Tagezeitung
   > Libération.

Diese drei Absätze hatte ich in meinem Vorgriff schon weiter oben
behandelt:  Man erfährt nichts sehr genaues.  Insbesondere nicht
über Dauvé, um den es laut Überschrift des Artikels doch gehen
soll.
 
   > In den 80er Jahren geben Gilles Dauvé und Serge Quadruppani die
   > nur einem kleinen Kreis gleichgesinnter Linksextremer bekannten
   > Zeitschriften Le Frondeur (Der Nörgeler), Mordicus (Beißend)
   > und Le Brise-Glace (Der Eisbrecher) heraus. Die Gaskammern
   > seien der Phantasie der Deportierten entsprungen, schreiben sie
   > dort.

So (solo) wäre das in der Tat die Leugnung der empirischen
Tatsache der Judenvernichtung.  Gerade, weil es sich um "nur
einem kleinen Kreis gleichgesinnter Linksextremer bekannte[...]
Zeitschriften" handelt, wäre freilich eine Quellenangabe oder
noch besser ein Zitat sehr hilfreich.  Denn "bislang" hat sich
die Autorin durch ihre Interpretation eines Dauvé-Zitats (es
kommt noch eines)  nicht mein Vertrauen erarbeitet.

   > Negationismus und Pädophilie: Tabu brechen, um die Proletarier
   > zu befreien!
   >
   > Von der Zeitschrift Guerre Sociale distanzieren sich deren
   > Mitarbeiter Gilles Dauvé und der Kriminalschriftsteller und
   > Italienisch-Übersetzer Serge Quadruppani, angeblich weil deren
   > Herausgeber Pierre Guillaume und dessen Negationistenverlag La
   > Vieille Taupe unterstützen.

"Angeblich".

   >                              Sie gründen die Zeitschrift La
   > Banquise (Das Packeis) mit provokatorischen Inhalten, wie
   > Satanismus, Pädophilie und selbstverständlich
   > Negationismus.

Weil ersteres "angeblich" ist, ist letzteres "selbstverständlich".
Auch hier wäre ein Beleg oder wenigstens ein erklärender Hinweis
hilfreich.  Ergeben die Texte rückwärts gelesen eine schwarze
Messe?

   >                 Sie erscheint von 1983 bis 1986 mit vier
   > Nummern. La Banquise Nr.1, steht unter dem Motto: "Für eine
   > Welt ohne Moral!" Im Gründungsartikel "L'Horreur est humaine"
   > (Der Schrecken ist menschlich) wenden sie sich vom
   > Antisemitismus ab,

was freilich unterstellt, dass sie ihm vorher zugetan waren.
Dazu fand sich bislang aber keine überzeugende Begründung in dem
Artikel.

   >                     nicht ohne jedoch ihre gediegenen Ansichten
   > über diesen beizubehalten: "Die Konzentrationslager sind die
   > Hölle einer Welt, in der der Supermarkt das Paradies ist",
   > schreiben sie.

Dieses Zitat ist in der Tat auffällig und von einer wortwörtlich
merkwürdigen Poesie.  Aber warum wird es hier angeführt und was will
uns die Autorin damit sagen, dass sie seinen Inhalt als "gediegen"
bezeichnet?  Vielleicht sollen die Autoren des Zitats auf diese
Weise als pietätlos gekennzeichent werden?  Weil sie sich Angesichts
der Judenvernichtung noch eine poetische Ausdrucksweise leisten,
obwohl das eine Zeit ist, in der man keine Gedichte mehr schreiben
kann?  Pfui!

   > Das Prinzip von La Banquise sei es, Tabus zu brechen, weil der
   > Kapitalismus und die Reaktion sich durch Tabus
   > schützten. Gilles Dauvé und Serge Quadruppani betrachten die
   > Anerkennung der geschichtlichen Tatsache des Holocaust als ein
   > Tabu, das es zu brechen gelte. Mit dem Tabu des Holocaust seien
   > Proletarier und Arbeitgeber gegen den Faschismus vereinigt zum
   > Nutzen der Arbeitgeber, weil die Proletarier, während sie gegen
   > den Fachismus kämpften, den Kampf gegen die kapitalistische
   > Ausbeutung vernachlässigten.

Aha.  Eine eigenwillige Interpretation für die Ursachen des
Verlaufs des Klassenkampfes nach dem zweiten Weltkrieg und der
Judenvernichtung, die da vertreten worden sein soll.

   > Weil die Zerstörung dieses Tabus ihnen nicht genug ist, versuchen
   > sie, auch das Tabu der Pädophilie zu brechen. Sie schreiben:
   >
   > "Heute sind sich die Intellektuellen der rein historischen
   > Eigenschaft der Tabus bewußt, die bisher als naturgegeben
   > betrachtet wurden. Das ist aber nur ein intellektuelles völlig
   > von ihrem eigenen Leben getrenntes Bewußtsein. Man wird einen
   > Universitätsprofessor mit derselben Hysterie reagieren sehen
   > wie einen Proletarier, wenn jemand darauf verfallen würde,
   > sein Kind unsittlich zu berühren.

Ein Gedanke, der mir nicht abwegig zu sein scheint.

   >                                    Einer der Gründe, die den
   > Schrecken der Lager sowohl für den Intellektuellen als auch
   > für den Proletarier noch schrecklicher machen, kommt daher,
   > daß sie eine Menge westlicher Tabus durcheinander gebracht
   > haben: den Tod und die Leichen, die Kinder, die Nacktheit der
   > Körper und die sado-sexuellen Phantasien."

Das ist mir unverständlich.  Wird diese Behauptung in dem
zitierten Text irgendwie begründet?

   > Bei Gilles Dauvé und den Linksextremen gehören die Ablehnung des
   > Menschen, des lebendigen menschlichen Körpers und die Leugnung
   > der Lager zusammen.

Die Lager wurden in den bislang vorgelegten Zitaten nicht
geleugnet.  Von der Ablehnung "des Menschen" (wer auch immer das
sein mag und was der repräsentative Singular hier auch immer
bezeichnen mag: irgend eine Form eines theoretischen Humanismus
offenbar, der nun auch zu einem moralischen Humanismus drängt)
und des lebendigen menschlichen Körpers ist da nichts zu lesen.
Woher in dem vorliegenden Artikel plötzlich das Kollektivsubjekt
"die" Linksextremen kommen bleibt unklar und wäre einer
ideologiekritischen Befragung wert.  Eigentlich handelt es sich
an dieser Stelle -- nach einer Reihe zumindest schlecht
dargestellter, vielleicht auch schlecht recherchierter oder
schlicht relevanzloser empirischer Zusammenhänge -- zum ersten
Mal um so etwas wie eine verallgemeinernde Argumentation/Position
des Artikels.  Die fällt freilich unbegründet vom Himmel.  Ist
dieser moralische Humanismus der Redaktion so wichtig gewesen,
dass sie den Artikel trotz seiner handwerklichen Schwächen
veröffentlicht hat?

   >                      Sie zeichnet ein Haß auf die Menschen aus,
   > die allein unter Verwertungsaspekten beurteilt werden. Das gilt
   > ebenso für ihre Einstellung gegenüber Frauen, denen sie ein Recht
   > auf Unversehrtheit absprechen. Sie verteidigen den Vergewaltiger.

Die Autorin weiß noch viel mehr über Dauvé und "die" Linksextremen.
Sie teilt uns die Sachverhalte, die sie weiß aber nicht mit.  Wer
ist der Vergewaltiger?  Zum ersten Satz wäre zu fragen, wer "die
Menschen" allein unter Verwertungsaspekten beurteilt:

   a) Dauvé und die Linksextremen
  
   b) die herrschenden Verhältnisse

und wie der Zusammenhang zwischen dem erwähnten "Hass" und dieser
Beurteilung von der Autorin gedacht wird:

   1.  Die Beurteilung der Menschen allein unter Verwertungsaspekten
       ist Ausdruck des Hasses von Dauvé und den Linksextremen gegen
       diese Menschen
  
   2.  Dauvé und die Linksextremen hassen die Menschen, weil
       sie von den herrschenden Verhältnissen allein unter
       Verwertungsaspekten beurteilt werden
  
   3.  Weil es doch letztlich die Menschen sind, die die
       herrschenden Verhältnisse machen, die die Menschen
       allein unter Verwertungsaspekten beurteilen, hassen
       Dauvé und die Linksextremen die Menschen.

   4.  ...

Die dritte Interpretation nimmt an, dass die Autorin ihren
theoretischen Humanismus selbst noch ihren Gegnern unterstellt.
Ich tippe auf die erste Interpretation.  Welche Interpretation
dieser Stelle hat die Redaktion dazu bewogen, diesen Artikel
unkommentiert zu veröffentlichen?


   > mi(e)s pédophiles, bonjour! (Paedophile Freundinnen und Freunde,
   > guten Tag!), begrüßen sie 1983 in La Banquise Nr. 2 ihre Leser. In
   > ihrer Zeitschrift Mordicus schreiben diese Menschenhasser: "Die
   > bezüglich des Mordes an Kindern herrschende organisierte Hysterie
   > ist die Folge von deren Rolle als Große Kompensatoren."
   >
   > Gilles Dauvé meint denn auch über Pierre Guillaume und seinen
   > negationistischen Verlag La Vieille Taupe, daß dieser sich
   > zwar an den "Mythos" der Gaskammern gemacht habe, weil seine
   > Zerstörung am meisten Erschütterung bewirkte, er hätte aber
   > auch genauso gut ein großes anderes Tabu brechen können, wie
   > das der Pädophilie.

An dieser Stelle kam mir noch einmal das Professorenbeispiel aus
dem zweiten Zitat in den Sinn.  Eigentlich sind die Ausführungen
der Autorin unter der Überschrift "Negationismus und Pädophilie:
Tabu brechen, um die Proletarier zu befreien!" ein einziger Beleg
für die -- nicht sehr spektakuläre -- These von Dauvé und den
linksextremen, dass die Erkenntniss des Tabus als historisch
geworden die Wirksamkeit des Tabus (auch bei Intellektuellen)
nicht einschränkt.


   > Diskrete Erlösung
   >
   > 1996, vieilleicht, weil sie fühlen, daß diese negationistische
   > Vergangenheit problematisch für sie werden könnte, schreiben
   > Gilles Dauvé, Serge Quadruppani und François-Georges
   > Lavacquerie, um sich reinzuwaschen, "Libertaires et
   > 'Ultra-gauche' contre le négationnisme" (Anarchisten und
   > Ultralinke gegen den Negationismus), mit einem Vorwort von
   > Gilles Perrault, einem der Begründer und Sprecher der
   > wichtigsten französischen Antifa-Organisation und ihrer
   > Zeitschrift Ras l'Front, die beim linksradikalen Verlag Réflex
   > veröffentlicht wird.

Warum "um sich reinzuwaschen"?  Die Autorin hat uns nicht
verraten, dass Dauvé und Serge Quadruppani und François-Georges
Lavacquerie in der Kritik standen.  Das wäre interessant gewesen,
was über die Auseinandersetzungen dieser zeit in Frankreich zu
erfahren.  Vielleicht könnte man dann das eine oder andere
Zitatschnippselchen selbst besser einordnen.  Die Vermutung
bzw. Unterstellung der Autorin begründet sich in nichts, sie
dient lediglich der Denunziation.

Sich "reinwaschen" von einer Schuld kann man nur (versuchen),
wenn man beschuldigt wird oder sich selbst beschuldigt.  Ohne
solche Vorwürfe gibt es keine Schuld -- es sei denn, man
essentialisiert die Schuld.  Das wäre freilich ein
erkentnistheoretischer Substatialismus, der der Schuld in der
selben Weise eine materielle Existenz zuspräche, wie etwa dem
Dreck, den man sich von den Händen wäscht.  Ist es dieser
Essentialismus/Substantialismus, den die Redaktion durch ihren
unkommentierten Abdruck befördern wollte?

   >                       Gilles Dauvé bewertet im Original seines
   > Beitrages die Gaskammern als "gigantesque détail de la Seconde
   > Guerre mondiale" (gigantische Einzelheit des Zweiten
   > Weltkriegs), eine Einschätzung, die später wörtlich vom
   > Präsidenten des Front National Jean-Marie Le Pen übernommen
   > wird. 

Klar ist das eine Formulierung, die sich zur Verharmlosung eignet.
Der Gedanke freilich, dass die Judenvernichtung nicht alles des
Geschichtsprozesses (auch nicht während des Krieges) ist, sollte
aber doch gesagt werden können.

   >        Der Nürnberger Prozeß ist für die Autoren nicht
   > betrügerischer als jeder andere. Im Schlußdruck entfernt Gilles
   > Perrault die Äußerung über die "gigantische Einzelheit" als
   > schlechten Geschmack, verteidigt sie aber.

Was die Autorin mit der Bemerkung über einen Satz der Autoren über
die Qualität der gegenwärtigen französischen Justiz aussagen will
bleibt unklar.  Und weil diese Bemerkung den Kontext, auf den sie
sich bezieht nicht transportiert, bleibt auch unklar, was die
Autoren gemeint haben könnten.  Eine Denunziation bürgerlicher
Rechtssprechung?

   > "In dem die Extremisten der Shoah der Geschichte der Förderung
   > ihrer mystischen Thesen und der Rechtfertigung der Politik des
   > Staates Israel dienen wollen, schaden sie der historischen
   > Forschung sehr, vor allem, in dem sie zweifelhafte Zeugen wie
   > Elie Wiesel anerkennen ...", steht ebenso in dem angeblich
   > selbstkritischen Buch.

So, so.  Und was soll ich dem Teil, in dem es nicht um Elie
Wiesel geht, entnehmen?  Oder geht es der Autorin um den Teil mit
Elie Wiesel?  Wer ist Urheber/in dieses Zitats?
 
   > Die Geschichte kommt ins Rollen, als der Kriminalschriftsteller und
   > Mitbegründer von Ras l'Front Didier Daeninckx, der im selben Verlag
   > veröffentlicht wie Serge Quadruppani, ohne dessen Vergangenheit zu
   > kennen, erfährt, daß Gilles Dauvé ebenfalls einen Roman in diesem
   > Verlag veröffentlichen will. Er kennt Gilles Dauvé dem Namen nach
   > und beschließt, weiter nachzuforschen. Er findet alte Nummern von
   > Guerre Sociale. Daraufhin informiert er Gilles Perrault, der für
   > Gilles Dauvé und Serge Quadruppani wohlwollende Erklärungen und
   > Ausreden findet.

Eine Geschichte war's bisher ja leider nicht.  Bislang ist
noch völlig unklar, was mir der Artikel eigentlich sagen
will, außer: Dauvé (und in manchen Punkten die Linksextremen)
ist/sind Frauenhasser, Vergewaltigerverteidiger, äussern sich
politisch falsch über die Judenvernichtung, treffen ab und zu
jemanden oder stolpern über Veröffentlichungen von Rechten.  Ach
ja und nicht zu vergessen: Er hat den falschen Vater.

Ein interessantes Detail ist aber, dass die französischen
Krimiautoren politisch recht aktiv zu sein scheinen.

   > Der Verlag Réflex versteht nicht, wieso dieses Buch von
   > ehemaligen Anarchisten und Linksextremen, die auch mit
   > Negationistenkreisen in Berührung gekommen seien, so umstritten
   > und von Haß und Diffamierung durch bestimmte Personen aus dem
   > linken Spektrum, allen voran des Kriminalschriftstellers Didier
   > Daeninckx verfolgt ist. Diese reichhaltige Dokumentation und
   > die Ernsthaftigkeit der Autoren, die einen Schlußstrich unter
   > ihre Vergangenheit und ihre politischen Aktivitäten ziehen
   > wollten, hätten das Verdienst, die Lage zu klären.
   >
   > Didier Daeninckx recherchiert weiter, sowohl über die Vergangenheit
   > seines Kriminalschriftstellerkollegen Gilles Dauvé als auch des
   > Schriftstellers und Geheimdienstagenten Gilles Perrault, der während
   > des Algerienkrieges Fallschirmspringer ist, der die Folterer General
   > Jacques Massu und General Marcel Bigeard verteidigt, Mitleid mit
   > Rudolf Hess hat, der "schon inhaftiert war, als noch nicht der erste
   > Ofen in Auschwitz rauchte" und der den Holocaust herunterspielt.
   >
   > Didier Daeninckx entdeckt, daß Gilles Perrault in der 60er
   > Jahren seinerseits extrem rechte Bücher verfaßt und für die vom
   > französischen Geheimdienst finanzierte rechtsextreme
   > Zeitschrift Le Nouveau Candide (der Neue Aufrichtige) tätig
   > ist. Die Veröffentlichung der Untersuchung führt zu einer
   > großen Krise bei Ras l'Front und in der
   > Krimischriftsteller-Szene, die sich deutlich links
   > engagiert. Diedier Daeninckx wird im Juli 2001 während eines
   > Vortrages von gedungenen Schlägern tätlich angegriffen.

Wenn man weiß, dass die gedungen waren, dann doch sicher auch,
von wem?

   > Wenn Leugner leugnen, daß sie Leugner waren .....

Dann was?

Was hat es mir jetzt gebracht, dass ich mich durch diesen Artikel
quälte?  Welche Relevanz hat das alles?  Warum schreibt die Autorin
gerade über diese Figuren?  Welchen Stellenwert in welcher Debatte
haben die?  Wie hilft mir das, was in diesem Artikel steht politisch
oder in der theoretischen Praxis weiter?